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Herbstritt


Es dämmert. Wir - drei Reiter auf drei Württemberger Pferden - ziehen im Schritt den ausgetretenen Hufschlag durch die herbstlichen Flusswiesen an der Tauber entlang, vor uns die Lichter von Bad Mergentheim, dahinter die heimatliche Weide und das Ende der Reise. »Die Pferde wirken gar nicht müde!« sagt Sebastian verwundert. Munter und raumgreifend schreiten sie dahin.

»Sind Sie müde?« frage ich.

»Ehrlich gesagt, nicht im geringsten«, meint er. Er ist zwar ein sehr guter Reiter, aber das erste Mal auf einem mehrtägigen Ritt. »Wenn mir vor ein paar Tagen jemand gesagt hätte, fast neun Stunden an einem Tag im Sattel, hätte ich abgelehnt, aber jetzt nach den acht Tagen unterwegs bin ich so eingewöhnt, dass mich nichts mehr ermüdet!« »Genauso geht es den Pferden! - Wir haben ja die Tageskilometer langsam gesteigert, am ersten Tag waren es höchstens 25 Kilometer. Jetzt sind sie eingewandert!« Günther schaltet sich ein. »Heute Nacht gute Weide zum Ausruhen, morgen früh schön Hafer, und Sie können die gleiche Tour Rothenburg-Bad Mergentheim wieder reiten -wenn's Ihre Kehrseite aushält!«

Wir sind an der Straße angekommen, steigen ab und kramen die Beleuchtung aus der Satteltasche. Jeder Reiter bekommt an den linken Arm eine Reiterlampe - eine Taschenlampe, die vorne weiß und hinten rot leuchtet. Dem letzten Pferd werden Leuchtmanschetten an der Hinterhand angelegt. Es ist das erste Mal auf dieser Reise, dass wir die Beleuchtungen brauchen. Wir sind ohne Trossauto unterwegs. Die Nabelschnur zur Zivilisation ist endgültig abgerissen. Wir haben nur das, was wir am Pferd haben: jeder einen Mantelsack hinten auf den Sattel geschnallt für die persönlichen Habseligkeiten und Satteltaschen für Pferdebedarf, Haferfressbeutel, Stallhalfter, Leinensäckchen mit einer Haferration, eine Allzweckbürste, Hufkratzer und Beleuchtung. Die Kamera passt auch noch rein!

Solange man ein Auto dabeihat, ist man immer noch gebunden an genaue Abmachungen mit den Reitern, die gerade das Auto fahren, an Zeiten und Quartiere. Diesmal sind wir geritten - abends, bis eine Stunde vor Dämmerung, dann machten wir im nächsten Dorf Quartier - mittags, bis wir hungrig waren, dann kehrten wir ein; mal in einem Landgasthof- ein alter Bauer freute sich, die Pferde festhalten zu dürfen -, mal in einem Gartenrestaurant: Die Pferde wurden in der angrenzenden Obstwiese angebunden, wir sahen ihnen zu, wie sie zufrieden den Hafer aus ihren vorgebundenen Fressbeuteln mümmelten, sie sahen uns zu, wie wir unsere Schaschlikstäbchen abnagten. Sie knickten ein Hinterbein ein und dösten, schläfrig mit den Ohren die letzten Fliegen des Jahres vertreibend, auch wir sind schläfrig zufrieden nach dem lebhaften Ritt.

Bild 32. Einträchtiges Mahl

Es gab viel Trab auf einem offiziellen Reitweg durch den Trillbergwald, dann wieder öffnete sich der Blick über weithügeliges Land, mit Feldern, die jetzt, Ende September, Anfang Oktober, so einladend leer geerntet sind. Es war ein sehr trockener Sommer, so ist fast noch kein Acker umgestürzt, alles ist frei zum Reiten! Selbst die Pferde scheinen Spaß zu haben an diesen Flächen, sie bieten den freudigen Galopp geradezu an.

Nach den ersten Tagen hat sich das Gepäck zurechtgeschüttelt, jeder. Riemen stimmt, und wir reiten völlig ungestört vom Gepäck. Einmal galoppieren wir sogar mit einer großen Mostflasche in der Satteltasche. - Wir wollten Vesper kaufen, aber es gab keinen Laden in dem Dorf - es hieß sinnigerweise Speckheim -, so »fouragierten« wir bei Bauern; ein Ranken Bauernbrot, eine halbe Dose Hausmacherwurst und der Most. Während Sebastian im Haus war und die essbaren Schätze verpackt wurden, führten wir die Bauernkinder im Hof herum, für sie ist ein Pferd fast seltener als für Stadtkinder! Wir saßen auf, Günther blies einen Gruß auf dem Waldhorn, wir verließen das Dorf in Richtung Wald.

»Der Kirschbaum dort am Waldrand ist unser Mittagsziel!« Sebastian zieht den Mostflaschenverschluss in seiner Satteltasche fest, und wir galoppieren über den Haferstoppelacker, der uns von dem wilden Kirschbaum trennt. (Nur eine Ackerlänge, die Pferde bleiben staubtrocken!)

Wir satteln ab. Auf Floras Woilach lagern wir genüsslich in der Sonne und verzehren unser prächtiges Mahl. Flora und Luchs sind angebunden, die streiten heute. Hottl läuft frei herum. Die Sonne sticht, da kommt die Hottl dicht an uns vorbei, Günther und ich rufen gleichzeitig: »Alte steh!« Die Gute schaut zwar überrascht, bleibt aber stehen und leiht uns ihren Schatten. Dafür hol ich ihr zwei schöne Rüben von dem Acker hinter dem schmalen Waldstück. Günther und Sebastian ziehen auch los, um Rüben zu ernten. Die Bauern sind großzügig, wenn es um Rösser geht!

Wir lungern noch faul in der Sonne, da kommt ein Bauer mit seinem Schlepper und meint: »Tut auch eure Füß' weg, ich will Mist streuen!« Wir satteln und packen und ziehen weiter.

Die Landschaft zwischen Tauber und Jagst wirkt auf den ersten Blick hügelig, aber es ist eine Ebene - wie schon der Name Hohenloher Ebene sagt -, in die viele Täler eingeschnitten sind. Die gilt es immer wieder zu umreiten oder zu durchqueren. Manchmal reiten wir ein Tal entlang, auf einem Wiesenweg zwischen Wald und Weiden. Manchmal können wir lange auf einer Talsohle bleiben.

Einmal reiten wir einen ganzen Vormittag im Jagsttal. Die Wiesen sind gemäht und trocken, kein elektrischer Weidezaun versperrt - fast unsichtbar und um so heimtückischer - den Weg. Der Fluss fließt über lange Strecken noch in seinem natürlichen Bett, Gestrüpp, Bäume am Ufer. Kein Haus weit und breit. Wald an den Hängen, die das Flusstal begrenzen, morgendlicher Dunstsonnendurchflutet. Einzelne Vogelrufe lassen die natürliche Ruhe des Tales noch auffälliger werden.

Hier ist es für jede schnelle Gangart zu schön, wir bummeln am Ufer entlang, rechts vom Fluss - links vom Fluss. Die Pferde sind es gewöhnt, willig ins Wasser zu gehen. Wir stapfen eine Weile im Fluss, das Wasser spielt um die Sprunggelenke. Hottl tappt, wenn sie saufen will, immer so lange auf die Steine am Grund, bis sie einen steinfreien »Eimer« ums Maul hat, auch wenn das Wasser einen halben Meter tief ist. Wer ihr zu nahe kommt, wird nassgespritzt.

Das Gefühl für Hast und Zeit vergeht nach wenigen Tagen, wenn man mit Pferden wandert. Man hat wieder Zeit - wie sie. Acht Tage werden lang wie Wochen und falten sich in der Erinnerung zu reich erfüllten Zeitspannen auf.

Nach Tagen vergeht auch jede Müdigkeit, man »wohnt« auf dem Pferd - was nichts mit Trägheit zu tun hat. Heute morgen gerieten wir an eine herrliche Jagdstrecke, Äcker und Wiesenwege um Waldecken herum, bergauf und bergab konnten wir galoppieren, Kilometer um Kilometer. Günther ließ seinen langbeinigen jungen Fuchs laufen. Ich fürchtete, meiner Alten würde das zuviel; ich ging an den Schluss und überließ ihr das Tempo, sie legte die Ohren und blieb dicht bei den anderen. Es war für das trainierte Wanderpferd nicht zuviel, denn jetzt am Abend geht sie noch ganz wach, völlig unverbraucht!

Diesmal ritt auf den einfachen Wegstrecken mal der, mal jener vorn. Pferde und Reiter harmonierten so gut, dass sich ganz von selbst verschiedene »Spezialitäten« ergaben. Günther auf seinem Fuchs führte bei schnellen Galoppstrecken, Sebastian übernahm die Spitze bei langem Trab auf Feldwegen - seine Flora bietet einen schönen Mittel trab an; wenn schwierige Stellen kamen - schmale Brücken, Bahnüberquerungen, Baustellen, Flusseinstiege - ging »meine« erfahrene Hottl ganz selbstverständlich vor.

So wie jetzt durch die abendlich erleuchtete Stadt. Wir steigen auf die Höhe hinter Bad Mergentheim - zur Weide. Joly, der Dreijährige- er ist noch zu jung zum Wandern-, wiehert seinen Kameraden entgegen. Wir satteln ab und entlassen die drei guten Pferdchen auf die Weide. Das ist »Reiten«: unbeschwert - zeitlos, mit den Pferden und der Landschaft in Harmonie!


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