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Reitwetter


Transparentblauer Septemberhimmel, Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad, spätsommerliche Wärme: gewiss, das ist ein ideales Reisewetter! Der September ist nicht nur wegen der abgeernteten Felder der beste Monat zum Wanderreiten, auch das Wetter ist verhältnismäßig zuverlässig: sonnig!

Aber auch das trübste Wetter ist kein Grund, das Pferd im Stall zu lassen! »Reitwetter ist fast immer!« sagen alte Reiter, und das stimmt in viel stärkerem Maße, als ich je angenommen hätte.

Einmal mussten wir bei strömendem Regen morgens losreiten; es war der letzte von zehn Urlaubstagen. Am anderen Tag sollte für uns vier Reiter der Alltag wieder beginnen. Freiwillig wäre an diesem Tag keiner von uns gestartet. Es wurde ein besonders eindrucksvoller Ritt: Da gab es keine Postkartenfarben mehr, erdbraune, stumpfockere Töne beherrschten das Bild, zarte, graue Dunstschleier hingen über Wiesen, nass-schwarze Stämme verloren sich in weißem Nebel, der wie Gewölbe über dem kahlen Wald hing. Es tropfte auf Laub und Steine, auch die Geräusche waren gedämpft - selbst das Geklapper der Hufe. Man hörte keine fröhlichen Vogelmelodien, höchstens einzelne Rufe wie klirrendes Glas, wenn ein Vogel erschreckt davonflatterte; Erde, Holz, nasses Fell und Lederzeug verströmten intensiven Geruch. — Voraussetzung dafür, dass der Ritt bei jedem Wetter ein Vergnügen wird, ist die jeweils richtige Ausrüstung: Eine leichte Kopfbedeckung und Regenzeug sollten stets griffbereit am Sattel untergebracht sein, falls man von einem Regen oder Gewitter unterwegs überrascht wird. Meist reicht ein Anorak aus. Wenn man in einen Dauerregen hineinstartet, kann man zur Not Zeitungen in die Hose auf die Oberschenkel packen, das hält lange trocken und warm. Ein richtiger Reitmantel ist ein großes Gepäckstück, das die meiste Zeit unnötiger Ballast ist, es sei denn, man reitet im Winter, wo man den Mantel wegen der Wärme braucht und die ganze Zeit anhat. Da ist jeder Mantel geeignet, der hinten geschlitzt ist und weit genug über die Knie geht.

Bild 21. Auch das ist Reitwetter, wenn man gutes Regenzeug hat


Regenumhänge sind zwar praktisch, aber nur bei ruhigen Pferden. Man muss sich und die Pferde bei gutem Wetter an die Dinger gewöhnen, nicht erst im Sturm! Wenn der Wind hineinbläst und sie hochweht oder gar knallend flattern lässt, ist das als Zusatz zu einem rechten Gewitter manchem Ross zu nervenaufreibend! Vorsicht! Panikgefahr! Je heftiger ein Gewitterregen herunterprasselt, um so kürzer ist er meistens. Man wird sich also, wenn es geht, irgendwo im Windschatten unterstellen. Wenn der Regen einen schutzlos im Freien überfällt, reitet man einfach weiter, es macht den Pferden gar nichts aus, nass zu werden, wenn sie gleich weitergeritten werden. Stellt man sie ein, muss man sie unbedingt zugfrei stellen und wenn möglich mit Stroh trockenreiben, dabei wird einem selbst auch wieder warm.

Wenn der Regenguss zu heftig ist, dreht man die Hinterseite in die Windrichtung und wartet ab; so macht es das Steppentier Pferd von selbst am liebsten. Pferde erkennen anscheinend früher als wir, dass und wie schnell ein Gewitter kommt, man sollte ihre Reaktionen sehr genau beobachten und berücksichtigen!

Wir standen einmal im Oktober in einem Wald und schnallten gerade das Regenzeug von den Sätteln, es sah nach Regen aus. Da kam ein Sturm, und der Himmel wurde schwefelgelb, dann schwarz. Die Bäume bogen sich, es war nachtdunkel, morgens um zehn Uhr. Wir wussten, es ist weniger als einen Kilometer zum nächsten Dorf; das wollten wir vor dem Unwetter erreichen, um uns in einer Scheune unterzustellen. Die Pferde standen völlig ruhig im Schutze des Waldes und wollten offensichtlich da bleiben. Erst durch sehr energisches Treiben ließen sie sich zum Gehen bewegen.

Wir erreichten das offene Feld, da ging ein solches Schneegewitter los, dass die Pferde in wenigen Sekunden auf der Windseite in Schimmel verwandelt waren. Man sah kaum bis zum nächsten Pferd, so dicht kamen die nassen Flocken. Es war ein rechter Kampf, bis wir die ersten Häuser erreichten. Kaum standen wir in der Scheune, da war die bösartige Gewitterfront schon vorübergegangen, vom blauen Himmel strahlte die Sonne auf eine idyllische Winterlandschaft, von der Dachrinne tropfte das Tauwasser. Wir nahmen uns vor, in Zukunft mehr auf die Instinkte der Pferde zu achten - im Schutz des Waldes wäre es sicher wesentlich gemütlicher gewesen als auf dem offenen Feld, voll dem Sturm ausgesetzt.



Sommergewitter lassen sich übrigens oft früh erkennen, und zwar an den Bremsen. Diese lästigen Insekten werden vor Gewittern ganz besonders aggressiv zu Pferden, diese schlagen dann dauernd mit Schweif, Huf oder Kopf nach einem dieser Störenfriede. Auf freiem Feld vom Gewitter überrascht zu werden, sollte man wegen der Blitzschlaggefahr, wenn irgend möglich, vermeiden.

Im Hochsommer, wenn es über Mittag sehr warm wird, reitet man am besten in den taufrischen Morgenstunden los, um vier oder fünf Uhr. Bis es heiß wird, hat man die ersten dreißig Kilometer schon bei angenehmen Temperaturen hinter sich - in einem Dorf haben Sie sich ein Vesper gekauft und verdösen nun den Mittag träge im Schatten eines Apfelbaumes. Das Pferd, abgesattelt und am langen Strick angebunden, weidet oder döst auch.

Nach der Mittagshitze geht es frisch ausgeruht zur zweiten Etappe. Es ist ja so viele Stunden hell, fast doppelt so lange wie im Winter. Die Stunden mit Tageslicht muss man immer sehr sorgfältig ausnützen und einplanen. Eine Strecke, die Sie im Sommer - mit Frühstart - an einem Vormittag schaffen, ist an einem kurzen Wintertag kaum zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu bewältigen. (Beleuchtung nie vergessen!)

Dabei können Winterritte, besonders im Schnee, sehr reizvoll sein. Hauptsache ist nur, dass man warm genug angezogen ist. Die Stiefel dürfen lieber zwei Nummern zu groß sein, für noch ein Paar Socken, als auch nur eine Idee zu klein, denn die Zehen bewegen Sie beim Reiten so gut wie gar nicht. Kältegrade machen den Pferden nichts. Wenn Sie selbst ernsthaft frieren, sitzen Sie eben mal den Trab ein längeres Stück aus, da wird Ihnen gleich warm! Oder Sie traben ein wenig zu Fuß neben dem Pferd her.

Die einzige Wetterlage, bei der man sagen muss, dass man effektiv nicht reiten kann, ist Tauwetter, und zwar wegen des »Aufstollens«: Der nasse Schnee klumpt sich unter den Hufen zusammen, bis richtige Stelzen daraus werden, und die sind gefährlich! Die Pferdebeine können umknicken, Verstauchungen, sogar Beinbrüche sind möglich. Sie sind dann alle paar Minuten mit dem Hufkratzer am Ausputzen der Hufe. Das macht in der strahlendsten Märzsonne verdrießlich.

Das alles sind Extremtage: besonders schön, heiß, gewittrig, kalt, verschneit, verregnet, alle haben ihre Reize, aber auch die vielen grauen, halbtrüben, halbschönen Tage dazwischen sind bestens zum Wanderreiten geeignet, all die Tage »ohne Wetter«, die mit ihren vielfältigen Lichtstimmungen auch vertraute Landschaften immer wieder neu erscheinen lassen. Gründlich ändern wird sich nur das Tempo und die Länge der Tagesstrecke.


      

 




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