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Die Hottl - Porträt eines Wanderpferdes


Mit ihr fing alles an - jedenfalls alles, was für mich mit Wanderreiten zusammenhängt!

Bisher haben wir Themen besprochen, die bei allen Ritten im Freien von grundsätzlichem Interesse sind, ob es sich nun um Stunden, Tage oder Wochen handelt. Die letzten Kapitel sollen sich vermehrt auf das Reisen zu Pferde beziehen, und da kommt dem Pferd eine andere Rolle zu als in der Bahn, beim Sportreiten oder bei kurzen Ausritten. Ein Pferd für die Reise muss in besonderem Maße zum Freund werden können; sein Charakter und seine Ausdauer sind wichtiger als präzises Dressur- und Springvermögen. Auf langen Ritten, beim Zusammenleben mit dem Pferd, kommt seine Persönlichkeit voll zur Geltung. Da die Hottl ein ideales Wanderpferd ist, soll sie hier vorgestellt werden. So lernte ich sie kennen: Durch günstige Umstände erfuhr ich von Günther und seinen Pferden, und ich sollte drei Tage mit. Ich wurde mit Günther, den anderen Reitern und den Pferden bekannt gemacht, dann hieß es gleich aufsitzen, denn die Etappe für diesen Tag war lang. »Sie nehmen die Herta!« sprach der Chef. Da stand sie: dunkelbraun wie Mokkaschokolade, eine nicht allzu große Württemberger Stute vom alten Schlag. Bevor sie bei Günther Reitpferd geworden war, lebte sie als Bauernpferd. Sie hat eine dichte schwarze Mähne, wie ein prächtiges Zigeunerweib. Sie sah mich an mit auffallend großen, wachen Augen. Vielleicht war es schon dieser erste Moment, der mich für sie einnahm, sie ist jedenfalls seit dem ersten Ritt vor vielen Jahren mein Lieblingspferd - meine Hottl - geblieben.

Daraus, dass Günther mir- dem Neuling- seine Herta gab, ist schon zu ersehen, dass sie in ihrer Zuverlässigkeit ein »Anfängerpferd« ist, man kann sie jedem geben, nicht als Vorauspferd, aber als Mitläufer. Auch heute noch nehme ich sie, wenn ich die Wahl habe, auf langen Strecken am liebsten, obwohl auch junge, schöne, schnelle Pferde da sind. Sie ist nicht schnell, sie hat einen harten, etwas kurzen Trab, sie hat einen leichten Senkrücken, sie ist inzwischen 17 geworden, aber sie ist eine so ausgeprägte Persönlichkeit, wie man es bei einem Pferd nicht erwartet. Sie ist niemals langweilig - nicht, dass sie je durchginge (außer, wenn's schießt, Weinbergknallerei im Herbst, zum Beispiel), aber man hat bei ihr stets das Gefühl, sie freut sich beim Wandern, so eifrig und fleißig geht sie.

Sie erkennt, was sie tun soll für mehr als den nächsten Schritt, und tut es, nicht weil sie mit absolut unveränderlichen Hilfen so gehen muss, sondern weil es sinnvoll ist, so zu gehen. Sie ist, wenn man sich mit ihr einigt, auch ein ausdauerndes Vorauspferd, besonders wenn schwierige Stellen kommen - Wassereinstiege, Baustellen, Unterführungen oder andere Dinge, wo man Nerven braucht, da geht sie, die Erfahrene, voraus, und alle anderen folgen ohne Zögern. Wir, die Hottl und ich, haben so unsere Privatabmachungen, kleine Gewichtshilfen, Zungenschnalzen, leise Worte, ganz wenig Zügel. Vielleicht ist es gerade diese lässige Einigkeit, die mich auf ihr überhaupt nicht ermüden lässt, am letzten Tag einer Reise sind wir frischer und lockerer als am ersten. Sie ist ein richtiges Wohnpferd! Ein Sofa auf stabilen Beinen. Wenn man vom Reitpferd-Ideal aus ihre Details betrachtet, entspricht sie wenig den Idealen, aber ihr Gesamtbild ist so harmonisch, dass sie gefällt. Die meisten Pferde sehen nackt am schönsten aus, sie gefällt mir gesattelt und bepackt am besten. Es passt zu ihr, und sie passt in die Landschaft, ich könnte sie mir nicht in einer Reithalle vorstellen, ich glaube, sie war auch noch nie in einer. Am auffallendsten an ihr ist die ausgeprägte Mimik in dem dunklen Pferdegesicht mit den großen Augen!

Wenn wir einmal getrennt reiten und die anderen Pferde außer Sichtweite verschwinden, reckt sie den Hals, spielt mit den Ohren, verdreht die Augen, dass das Weiße blitzt, und lässt dann mit bebenden Nüstern ihr Alt-Gewieher erschallen, um die anderen zu rufen. Führt man sie auf einer Schrittstrecke und sie fühlt sich für nichts verantwortlich, so schlackert sie mit laschen Ohren und lässt die Unterlippe hängen, dass man meint, sie tritt drauf. Manchmal lässt sie sich mit Worten streicheln, dann schließt sie genüsslich die Augen.

Eine Lebensversicherung ist sie allerdings erst, wenn man oben sitzt, im Stall bringt sie jedem bei, auf Pferdeohren zu achten. Sie ist ein ausgeprägter »Morgenmuffel«, in den ersten zehn Minuten beschäftigt man sich morgens im Stall nicht gerade mit ihr! Sie legt die Ohren, bis sie in der schwarzen Hexenmähne verschwinden, rollt die Augen und schnappt, wenn man von vorne kommt; kommt man von hinten, schlägt sie aus. Dank ihrer unmissverständlichen Mimik kommen aber unsere blauen Flecken nie von ihr! Man passt auf. Je muffiger sie morgens ist, um so besser geht sie nachher. Nach einiger Zeit schubst sie einen dann mal mit dem Maul; wenn man sie dann streicheln will, tut sie noch mal sauer, bis sie, wenn sie fertig gemufft hat, zu Leuten, die sie mag, hingeht und schmust.

Wenn wir's eilig haben und das Muffzeremoniell ausfallen muss, trenst man sie sofort auf, sie greift mit den Lippen nach dem Gebiss. Dazu muss man irgendwie ihren dicken Stirnschopf erwischen, dann hat man sie. Dann ist sie »im Dienst« und genießbar. Und so lässt sie sich auch auf der Weide oder nach der Rast am besten fangen.

Offensichtlich ist ihre lebhafte Mimik auch für andere Pferde unmissverständlich. Wenn alle auf der Weide sind, daheim oder unterwegs, sorgt sie recht matriarchalisch-autoritär für Ordnung: Immer wenn zwei streiten wollen oder wenn neue Pferde sich ihren speziellen Freunden zu freundlich nähern, geht sie mit angelegten Ohren dazwischen, richtig arbeiten muss sie da manchmal, kaum dass sie zum Fressen kommt!

Ihr Orientierungssinn ist verblüffend: Einmal an einem Ruhetag machten wir mit ihr und Flora (14), ihrer besten Freundin, einen Sonntagmorgenspazierritt. Die beiden jungen Pferde ließen wir in dem Stall, den wir am Abend zuvor bei Dunkelheit erreicht hatten; die Gegend war den beiden Pferden also völlig unbekannt. Der Weg war hübsch, so beschlossen wir, den gleichen Weg zurückzureiten. Etwa vier bis fünf Kilometer vor dem Dorf - wir ritten am hingegebenen Zügel im Schritt nebeneinander - verabredeten wir, gar nichts mehr zu machen. Wir legten die Zügel auf den Hals, ließen Arme und Beine locker hängen und redeten auch nicht mehr.

Die beiden gingen weiter bis zur ersten Entscheidung - rechts oder links? Sie blieben zögernd stehen, Flora blieb zurück, legte vertrauend ihr Maul auf Hertas Kruppe. Als von mir keinerlei Reaktion kam, ging Hottl im Schritt weiter, sehr emsig, sehr aufmerksam, mit lebhaftem Ohrenspiel, ruhig - ohne Zögern. Sie ging unseren ziellosen Zickzackweg zurück, kleine Ecken, zehn Meter etwa, kürzte sie sinnvoll ab. Sie ging ins Dorf, sah im Vorübergehen in alle Hofeinfahrten, fand die richtige - etwa die achte oder neunte -, bog ein und blieb drei Meter vor der Stalltür stehen, um mich absteigen zu lassen. Sie wieherte ein brummeliges freundliches Gewieher zu den beiden Jungen, die im Stall zurückgeblieben waren.

Ist das ein Pferd?

Sie ist keinen Pfifferling Geld wert, aber sie ist unbezahlbar.



      

 




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